0-9 [A] B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
Die Verfahren der Anreizregulierung greifen einen wesentlichen Kritikpunkt an den kosten- oder gewinnorientierten Verfahren auf, nämlich die fehlenden Anreize zur Steigerung der unternehmensinternen Effizienz. Weder die in Europa verbreiteten Verfahren der "Cost-plus"-Regulierung, noch die in den USA angewandte "Rate-of-Return"-Regulierung geben den regulierten Unternehmen Anreize, intern ihre Effizienz zu steigern. Wenn die Effizienz von Netzbetrieben berücksichtigt werden soll, kann das Prinzip der Nettosubstanzerhaltung nicht greifen. Nettosubstanzerhaltung und Anreizregulierung schließen sich quasi gegenseitig aus.
Methoden der Anreizregulierung lösen sich, zumindest für einen gewissen Zeitraum, von den bisherigen Zielgrößen der Regulierung (Kosten oder Gewinn) und bedienen sich anderer Kenngrößen. England führte im Jahr 1990 als erstes Land mit der "Price-Cap-Regulation" ein anreizorientiertes System zur Regulierung der Netznutzungsentgelte ein. Stark vereinfacht waren Veränderungen der Netznutzungsentgelte nur nach der Formel RPI-X zulässig. (RPI = Retail Price Index = Inflationsrate). In der Korrekturgröße X werden unternehmensinterne oder brancheninterne Effizienzsteigerungen abgebildet.
Das Verfahren funktioniert folgendermaßen: Es werden ein (z. B. kostenorientierter) Startpreis und ein Betrachtungszeitraum festgelegt. Die Regulierungsbehörde legt für das betrachtete Unternehmen beispielsweise einen Effizienzfaktor von 5% fest. Dieser Faktor wird von einem Preisindex, der Inflationsrate (hier 2%), abgezogen. Übrig bleiben 3%, um die die Netzentgelte in diesem Jahr abgesenkt werden müssen. Nimmt man dieses hier zugegeben stark vereinfacht dargestellte Verfahren als Maßstab für die Bundesrepublik, hätten die Netznutzungsentgelte in den letzten Jahren deutlich sinken müssen. Die von VDEW veröffentlichten Zahlen über Investitionen in Netze, Kosten für Instandhaltung und Personal geben Hinweise auf einen Produktivitätsanstieg im Netzbereich von deutlich über 30 % in den letzten fünf Jahren. Korrigiert man diesen Wert um die Inflationsrate von ca. 2% im Jahr, ergibt sich ein Senkungspotential der Netznutzungsentgelte von 20 % allein aufgrund der Produktivitätsanstiege (also ohne die üppigen Margen anzugreifen).
Der Vorteil der Anreizregulierung besteht darin, dass die regulierten Unternehmen Einfluss auf die Höhe ihrer Margen haben. Unternehmen, die die durchschnittliche Produktivität übertreffen, werden durch höhere Gewinne belohnt. Unternehmen, die nur eine unterdurchschnittliche Produktivität aufweisen, weisen niedrigere Gewinne aus. Damit simuliert die Anreizregulierung Wettbewerb, indem es den Unternehmen keine Rendite garantiert, aber effiziente Unternehmen belohnt.
Das Prinzip der dynamischen Anreizregulierung ist keine Einzelfalllösung, sondern funktioniert nur aus einem geschlossenen System heraus. Es muss eingebettet sein in ein konsistentes Regulierungssystem aus Kalkulationsmethoden (ex-ante-Kalkulationszinssatz und ex-post-Kalkulationszinssatz), Vergleichsmarktkonzept und Qualitätsstandards, die Versorgungssicherheit gewährleisten.
31.01.2012 · Stellungnahmen
bne-Stellungnahme zu EU-Leitlinien für staatliche Beihilfen zum Bau von Kraftwerken
30.01.2012 · Clippings
bne bei ERNEUERBARE ENERGIEN Online: "Ökostrom-Direktvermarktung nimmt zu"